 | 1. Als Detektive Ohne die Absicht, das Blatt wirklich durchzustudieren, schlug ich es auf, und das erste, was mir auffiel, war ein Gedicht. Gedichte lese ich bei der Durchsicht einer Zeitung entweder zuletzt oder lieber gar nicht. Die Überschrift glich der Kapitelüberschrift eines Schauerromans. Das stieß mich ab. Sie lautete: ,Die fürchterlichste Nacht.' Schon wollte ich die Seite umwenden, als mein Auge auf die beiden Buchstaben fiel, mit denen das Gedicht unterzeichnet war: ,W.O.' Das waren ja die Anfangsbuchstaben des Namens William Ohlert! Der Name hatte mir so lange Zeit und so unausgesetzt im Sinn gelegen, daß es nicht wundernehmen kann, wenn ich ihn in Beziehung zu diesen Buchstaben brachte. Ohlert junior hielt sich ja für einen Dichter. Sollte er seinen Aufenthalt in New Orleans dazu benutzt haben, eine Reimerei an das Publikum zu bringen? Vielleicht war die Veröffentlichung so schnell erfolgt, weil er die Aufnahme bezahlt hatte. Bewahrheitete sich meine Vermutung, so konnte ich durch dieses Gedicht auf die Spur der Gesuchten gebracht werden. Ich las also:
Die fürchterlichste Nacht Kennst du die Nacht, die auf die Erde sinkt Bei hohlem Wind und schwerem Regenfall, Die Nacht, in der kein Stern vom Himmel blinkt, Kein Äug' durchdringt des Wetters dichten Wall? So finster diese Nacht, sie hat doch einen Morgen; O lege dich zur Ruh, und schlafe ohne Sorgen! Kennst du die Nacht, die auf 4as Leben sinkt, Wenn dich der Tod aufs letzte Lager streckt Und nah der Ruf der Ewigkeit erklingt, Daß dir der Puls in allen Adern schreckt; So finster diese Nacht, sie hat doch einen Morgen; O lege dich zur Ruh und schlafe ohne Sorgen! Kennst du die Nacht, die auf den Geist dir sinkt, Daß er vergebens nach Erlösung schreit, Die schlangengleich sich um die Seele schlingt Und tausend Teufel ins Gehirn dir speit? O halte fern dich ihr in wachen Sorgen, Denn diese Nacht allein hat keinen Morgen! W. O. |
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