 | 7. Der Pedlar „Mein Bruder Sam wird das nicht tun", ließ sich Winnetou hören, welcher wieder in die Nähe gekommen war. „Der Häuptling der Apachen wird dem Mörder allein folgen; seine weißen Brüder müssen alle hierbleiben, denn es ist möglich, das Sanier doch noch nach der ,Festung' sucht, um sie auszurauben; da sind kluge und tapfere Männer zur Verteidigung nötig." Später, als man sich über das Ereignis einstweilen beruhigt hatte und schlafen ging, suchte ich nach Winnetou. Sein Pferd weidete am Wasser, und er hatte sich in der Nähe in das Gras gestreckt. Als er mich kommen sah, stand er auf, ergriff meine Hand und sagte: „Winnetou weiß, was sein lieber Bruder Scharlieh zu ihm sagen will; du möchtest mit mir fort, um Sanier zu fangen?" „Ja." „Das darfst du nicht. Die Schwäche Old Firehands hat sich gesteigert; sein Sohn ist noch ein Kind; Sam Hawkens wird alt, wie du heut gesehen hast, und die Soldaten aus dem Fort müssen als Fremdlinge betrachtet werden. Old Firehand braucht dich nötiger als ich. Ich jage Santer allein und bedarf dazu keiner Hilfe. Wie aber, wenn er, während ich nach ihm suche, Gesindel an sich zieht und hier einbricht? Beweise mir dadurch deine Liebe, daß du Old Firehand beschützest! Willst du diesen Wunsch deines Bruders Winnetou erfüllen?" Es wurde mir schwer, in die Trennung von ihm zu willigen, doch drang er so lange in mich, bis ich es tat; er hatte recht: Old Firehand bedurfte meiner nötiger als er. Aber ein Stück begleiten mußte ich ihn. Noch schien der Morgenstern hell, so ritten wir miteinander hinaus in den Wald, und grad als es tagte, hielten wir an der Stelle, wo wir von der neuen Fährte Saniere umgekehrt waren. Für das scharfe Auge des Apachen war sie noch zu erkennen. „Hier scheiden wir", sagte er, indem er sich auf seinem Pferd zu mir herüberbeugte und den Arm um mich schlang, „der große Geist gebietet, daß wir uns jetzt trennen; er wird uns zur rechten Zeit wieder zusammenführen, denn Old Shatterhand und Winnetou können nicht geschieden sein. Mich treibt die Feindschaft fort; dich hält die Freundschaft hier; die Liebe wird mich wieder mit dir vereinigen. Howgh !" Ein Kuß für mich, ein lauter, gellender Zuruf an sein Pferd, und er jagte davon, daß sein langes, herrliches Haar wie eine Mähne hinter ihm herwehte. Ich blickte ihm nach, bis er verschwand. Wirst du den Feind erjagen? Wann sehe ich dich wieder, du lieber, lieber Winnetou?------ |
 |  |
 |